Mythos 08
Der Ursprung öffentlicher Bildung
Video-Interview mit Historiker
Bald verfügbar
Historiker Prof. Thomas Maissen über die Rolle der Kirche bei der Entstehung öffentlicher Bildungsinstitutionen in der Schweiz und Europa.
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Öffentliche Bildung für alle gilt als Leistung des modernen Staates. Doch ihre Wurzeln reichen tief in die Kirchengeschichte – und in ein theologisches Menschenbild.
Die ersten Schulen, die nicht nur für Adel und Klerus offen waren, entstanden in christlichen Klöstern. Bereits im 6. Jahrhundert schrieb Benedikt von Nursia in seiner Regel vor, dass Klöster Schulen für Kinder aus der Umgebung betreiben sollten. Karl der Grosse erliess 789 n. Chr. eine Kapitulare, die alle Klöster und Domkirchen verpflichtete, Schulen für Kinder aller Stände zu unterhalten – eine der ersten staatlichen Bildungsreformen der Geschichte, theologisch begründet. Die Reformation des 16. Jahrhunderts brachte die nächste Welle: Luther und Zwingli forderten Volksschulen für alle Kinder, weil jeder Mensch die Bibel selbst lesen können sollte. In Zürich entstanden unter Zwingli die ersten öffentlichen Schulen der Schweiz.
Antike Kulturen wie Griechenland und Ägypten kannten Schulen lange vor dem Christentum. Das ist richtig. Doch diese Schulen waren exklusiv – für Freie, für Wohlhabende, für Männer. Die Idee, dass Bildung ein Recht aller Menschen ist, unabhängig von Stand und Geschlecht, ist eine spezifisch christliche Idee, die im Gedanken der Gottesebenbildlichkeit wurzelt: Weil jeder Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist (Genesis 1,27), verdient er Zugang zu Wissen und Wahrheit.
Fazit
Wer nach dem Ursprung der allgemeinen Schulpflicht sucht, findet ihn nicht im säkularen Staat, sondern in der Überzeugung, dass jeder Mensch – weil er im Ebenbild Gottes geschaffen ist – das Recht hat, lesen, denken und urteilen zu können.
Gemeinschaft
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Beeindruckend – ich wusste nicht, dass Tertullian bereits im 3. Jahrhundert Religionsfreiheit als Menschenrecht formuliert hat. Das verändert mein Bild der Geschichte grundlegend.
Die Verbindung zwischen den Zürcher Stadtpatronen und der ägyptischen Legion ist faszinierend. Ich werde das Grossmünster mit anderen Augen sehen.
Endlich eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen Themen. Die Quellen sind solide und die Argumentation nachvollziehbar. Weiter so!
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